Sand ist ganz schön schwer

Reaktion der Gruppe aus Hamburg auf die Teilnahme am SDL 2019

Heute stellen wir euch eine weitere Gruppe des Festivals vor: Schüler*innen der 12. Jahrgangsstufe der Stadtteilschule Blankenese aus Hamburg inszenieren die Geschichte des bekannten Dramas “Maria Magdalena” - dabei passen sie die Motive des Dramas der heutigen Zeit an und zeigen diese anhand einer zweiten Maria auf.
Wir haben im Interview mit den Schüler*innen einen spannenden Einblick erhalten, den wir hiermit sehr gerne mit euch teilen!

Worum geht es in eurem Stück?

In "Nicht erreichbar" geht es eigentlich darum, dass wir Jugendlichen/jungen Erwachsenen heute wie auch damals oft mit Problemen konfrontiert sind, durch die wir alleine durch müssen. Die häufige Abwesenheit der Eltern (bei uns: Vater) heute, der gesellschaftliche Leistungsdruck und das Erwachsenwerden sind ebenso schwierig wie in “Maria Magdalena”. In dem Stück war der Druck durch gesellschaftliche (religiöse) Normierung sehr stark und der Vater war dort vielleicht zu viel präsent bzw. hatte zu viel Macht.
Unehelich schwanger? Zumindest heute sehen wir gute Möglichkeiten, Auswege aus so einer schwierigen Situation zu finden.

Warum habt Ihr damals das Stück ausgewählt? Wie seid Ihr auf das Stück gekommen?

Bei uns in der Schule ist festgelegt, dass eine der beiden Abi-Lektüren Grundlage bzw. Impuls für das Theaterstück in Jahrgang 13 sein soll. Wir hatten “Emilia Galotti” und eben “Maria Magdalena” zu Auswahl. Da in den alten Stoffen oft auch gegenwärtige Themen zu finden sind, war das gar nicht schlimm. Das Oberthema "Väter und Töchter" kam unserem Kurs, in dem ja nur drei Jungs sind, gelegen. Das brachte uns aber auch zu der Frage: Was ist eigentlich mit Jungs (in unserem Schulsystem)? Das wurde zwar nicht Schwerpunkt des Stückes, aber um unsere Themen zu finden, haben wir breit diskutiert und auch einiges verworfen.

Reaktion der Gruppe aus Hamburg auf die Teilnahme am SDL 2019

Wie habt ihr reagiert, als ihr erfahren habt, dass ihr am SDL teilnehmen dürft? Foto: Kerstin Hähnel

Wie lange hat es gedauert, bis die Endversion eures Stückes stand?

Wir haben uns im August 2018 das erste Mal als Kurs alle kennen gelernt. Viele von uns hatten vorher kein Theater und daher haben wir bestimmt sechs Wochen erst einmal nur Basisarbeit und Kennenlernübungen gemacht. Dazu gehörte dann schon, "Maria Magdalena" von Hebbel zu lesen und die Themen herausfiltern, die uns interessieren und mit unserem Leben etwas zu tun haben. Wir haben viel Körperarbeit gemacht, denn der Maria-Magdalena-Strang sollte im Zeichen der Körperlichkeit inszeniert werden. Dazu gab es dann eine spielpraktische Klausur, wovon sich einiges im Stück widerspiegelt. Nach Weihnachten ging es an die Geschichte der schwangeren Maria auf dem Spielplatz, bis zu den Märzferien war der dramaturgische Bogen klar und in den Ferien wurde das Skript fertiggestellt und verschickt. Nach den Ferien gab es dann nur noch Proben mit fertigem Text und Schliff an den Szenen und Übergängen. Am 26. April hatten wir auf dem Bewerbungsfestival für das SDL unsere Premiere. Das heißt also, dass wir ca. acht Monate vom Kennenlernen bis zur Premiere brauchten.

Was erwartet ihr vom Festival?

Beim SDL wollen wir die Vielfalt von ästhetischen Mitteln kennenlernen. Wir wollen die Erfahrung sammeln, auf einer großen Bühne zu spielen und die Euphorie, Aufregung und Atmosphäre spüren. Wir erhoffen uns ein Gemeinschaftsgefühl aller Teilnehmer und viele neue Bekanntschaften. Natürlich darf der Spaß bei der ganzen Sache nicht fehlen. :)

So bereiten sich die Hamburger auf das Theaterfestival vor

Wie bereitet ihr euch auf das Festival vor? Foto: Kerstin Hähnel

Was war der schönste / lustigste / spannendste Moment während der Proben / Aufführungen?

Schönster Moment:

Einer unserer schönsten Momente war, als wir alle zusammen, bei einem unserer Probenwochenenden, das erste Mal unser komplettes Stück durchgespielt haben, uns anschließend an den Händen genommen haben, uns das erste Mal verbeugt haben und nebenbei unseren ersten Applaus genießen konnten.
Danach war das sonst eher elanlose Sand Schaufeln auch gar nicht mehr so schlimm und für uns stand fest, dass wir am Festival teilnehmen wollen.

Lustigster Moment:

Einer unserer lustigsten Momente war, als wir alle zusammen unsere Tanzsäcke ausprobiert haben, welche wir eigentlich in unserem Stück nutzen wollten, um im ungesehenen Schwarz zu agieren und um die Dramatik zu unterstützen. Statt ungesehen und dramatisch war es aber auffällig komisch.

Spannendster Moment:

Wir hatten keine Vorstellung davon, wie viel und vor allem auch wie schwer 1m³ Sand ist. Die Anlieferung und der Transport des Sandes waren daher ein echtes Highlight mit den großen ungewissen Komponenten.

Worin besteht für euch die Magie des Theaters, warum sollte man als Schüler*in Theater spielen?

Für uns liegt die Magie des Theaters darin, etwas gemeinsam auf die Beine zu stellen, dabei auch als Gruppe durch schwierige Situationen zu gehen und nicht aufzugeben!
Im Schutz der Rolle kann man neue Seiten an sich entdecken und daran wachsen, dadurch wird das Selbstbewusstsein gestärkt. Zudem erlangt man ein offeneres Auftreten. Theater gibt uns die Möglichkeit in neue Gedankenwelten einzutauchen, man lernt auf eine andere Art und Weise, man darf sich ausprobieren. Theater bietet den Raum, seiner Kreativität freien Lauf zu lassen. Durch Proben und Auftritte wächst man als Gruppe noch enger zusammen und wenn man sich verbeugt und man spürt, dass etwas beim Publikum angekommen ist, die anderen neben sich spürt und weiß: Das haben wir gemacht! ...dann ist das Magie.

So fühlen sich die SchülerInnen aus Blankenese in Hamburg auf der Theaterbühne

Wie fühlt ihr euch auf der Bühne? Foto: Kerstin Hähnel

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