Eine Freiheit, die man sonst nicht so bekommt

Die Gruppe des Dientzenhofer-Gymnasiums aus Bamberg bei einer Aufführung, Foto: Marie Goss
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Marie Goss

Auf den 63. bayerischen Theatertagen der Gymnasien hatte ich die Ehre, die für Bayern am SDL teilnehmende Gruppe des Dientzenhofer-Gymnasiums aus Bamberg kennenzulernen. Wir haben uns über ihr Stück, ihre Passion für das Theater und ihre Vorfreude auf das Festival unterhalten.

Fangen wir mit eurem Stück an. Um was geht es überhaupt in ‘Kasimir und Karoline’?

SchülerIn 1: Also, in unserem Stück gibt es grundsätzlich zwei Hauptpersonen, die Karoline und den Kasimir. Die zwei sind eigentlich zusammen, sind auf dem Oktoberfest, aber Kasimir wurde vor ein paar Tagen gefeuert. Er glaubt deswegen, dass Karoline ihn nicht mehr liebt oder nicht mehr mit ihm zusammen sein will. Dann sind eben dieser Streit und Liebe auf dem Oktoberfest Thema.

SchülerIn 2: Grob gesagt geht es einfach um die Kommunikationsprobleme in Beziehungen.

SchülerIn 3: Und auch darum, wie sich Druck durch die Gesellschaft oder auch im Arbeitsleben auf die Beziehungen auswirkt und was das für Probleme mit sich bringt.

SchülerIn 4: Gesellschaftskritisch auch in der Hinsicht.

Wie habt ihr euch für das Stück entschieden? Und wann?

SchülerIn 1: Es ist ja so, dass wir zwei Spielleitungen haben und damit ist klar, dass die Regie auch von zwei Leuten geführt wird. Die haben den Vorschlag ‘Kasimir und Karoline’ gemacht. Es haben alle das Stück gelesen und für gut befunden, dann wurde es so ausgewählt.

SchülerIn 2: Das war vor zwei Jahren, wir haben aber letztes Jahr nur in der Schule aufgeführt, also wir waren da nicht auf Festivals dabei. Dann haben wir noch ein bisschen etwas verändert und noch ein Jahr durchgezogen.

Die Foto-Reaktion der SchülerInnen des Dientzenhofer-Gymnasiums aus Bamberg auf ihre Auswahl für das SDL

Wie habt ihr reagiert, als ihr erfahren habt, dass ihr für das SDL 2019 ausgewählt wurdet? Foto: Marie Goss

Was war der lustige bzw. spannendste bzw. peinlichste Moment während der Proben oder der Aufführungen?

SchülerIn 1: Also ganz lustige Momente, ich denke da kann ich für alle sprechen, waren auf jeden Fall die Versprecher, die es immer gab. Wir haben zum Beispiel einen Satz “Ein jeder intelligente Mensch” und da hat Kasimir immer gesagt: ‘Ein jeder intelligenter Mensch”. Das war dann einfach irgendwann ein Running Gag und wir mussten bei den Proben immer schmunzeln, weil es einfach immer wieder passiert ist und voll präsent war in unseren Köpfen. Aber wir haben es bei den Aufführungen immer hinbekommen.

SchülerIn 2: Was wir in den Proben am Schönsten empfinden, ist, wenn wir einen Durchlauf von vorne bis hinten ohne Unterbrechungen geschafft haben. Wenn dann das letzte Wort kommt und das Licht ausgeht, fällt bei jedem die Spannung ab. Das ist einfach ein richtig geiles Gefühl, wenn du weißt, du hast gerade einen ganzen Durchgang geschafft.

SchülerIn 3: Und was noch dazukommt: Wenn wir das bei einer Aufführung geschafft haben, ist der Moment natürlich irgendwie nochmal zehnmal so krass. Wenn wir die Aufführung gut hinbekommen haben und auch alle zufrieden sind, dann sind wir danach einfach alle nur voll am Strahlen und am Gruppenkuscheln. Das sind für mich ganz schöne Momente im Theater.

So stellt die Gruppe des Dientzenhofer-Gymnasiums aus Bamberg ihr Gefühl auf der Bühne dar

Wie fühlt ihr euch auf der Bühne? Foto: Marie Goss

Eine Besonderheit eurer Inszenierung ist, dass ihr auf einer Arenabühne auftretet. Wieso habt ihr euch dazu entschieden?

SchülerIn 1: Ja, Arenabühne, wir nennen es auch immer gerne Mittelbühne. Es bietet viel mehr neue Möglichkeiten. Einerseits, weil wir ja Bewegungstheater machen und mit sehr viel Stimmungen arbeiten. Andererseits, weil du da aus allen Ecken das Publikum erreichen kannst, eben nicht auf dieser Bühne oben gefangen bist und nur nach vorne sprechen musst. Stattdessen kannst du dich eben ganz frei im Raum bewegen.

SchülerIn 2: Das ist dann schon nochmal eine kleine Herausforderung. Bei einer Mittelbühne kannst du nicht einfach hinter den Vorhang gehen und mal kurz durchatmen, sondern du wirst eigentlich die ganze Zeit von überall beobachtet.

SchülerIn 3: Das ist ja auch für die Zuschauer eine Challenge. Also ich saß schon öfter im Publikum und habe nur zugeschaut und es ist schon anstrengend oder schwierig, wenn man auf einmal aus nächster Nähe angestarrt wird. Da weiß man gar nicht, was man da damit anfangen soll. Die Spieler arbeiten ja auch viel damit die Zuschauer einfach niederzustarren. Das ist schon ein verrücktes Gefühl, wenn dann so ein kleiner Kampf entsteht zwischen Spieler und Zuschauer.

Was erwartet ihr eigentlich vom SDL-Festival?

SchülerIn 1: Auf jeden Fall andere Menschen zu treffen, die sich auch für Theater begeistern, und ins Gespräch zu kommen. Ich finde auch, dass man bei jedem Festival Neues erwarten kann, weil es ja neue Gruppen sind, neue Personen, und man entdeckt für sich auch neue Sichtweisen oder lernt andere Theaterformen kennen. Natürlich wollen wir auch unser Stück ein bisschen hinaustragen und Kritik und Anregungen dazu bekommen.

SchülerIn 2: Andere Theaterstücke und Inszenierungen sehen, wie man Theater darstellen kann, weil Theater für jeden was anderes ist. Für uns ist es mit dem Körper zu arbeiten, für andere ist es sehr textlastig und das ist einfach interessant zu sehen, wie andere das definieren.

Vorbereitungen der SchülerInnen des Dientzenhofer-Gymnasiums aus Bamberg

Wie bereitet ihr euch auf das Festival vor? Foto: Marie Goss

Habt ihr euer Stück schon auf anderen Festivals oder Veranstaltungen gezeigt?

SchülerIn 1: Wir kamen in die Vorauswahl des 40. Theatertreffens der Jugend 2019 im Berliner Festspielhaus. Wir wurden dann aber nicht genommen um dort aufzuführen. Wir durften aber drei Delegierte aus unserer Gruppe schicken. Jana, Manu und ich waren dann in Berlin und von daher haben wir auch so ein Festival mal mitbekommen. Wir haben dort zwar nicht aufgeführt, aber ins Gespräch kommen über Theater und andere Formen kennenlernen, das war schon echt ein tolles Erlebnis.

SchülerIn 2: Ja, wir hatten da eine Woche entspannten Theater-Anschauens und nur Anregungen, Input und die Workshops waren super. Schade, dass wir da nicht gespielt haben.

Eine abschließende Frage: Was ist für euch die Magie des Theaters? Warum sollte man als Schüler*in Theater spielen?

SchülerIn 1: Für mich bedeutet Theaterspielen aus sich rauskommen, aus seiner comfort zone zu entschwinden und einfach in komplett andere Rollen zu schlüpfen, die man sich im realen Leben gar nicht trauen würde. Es ist einfach eine Weiterentwicklung der eigenen Persönlichkeit.

SchülerIn 2: Was für mich auch die Magie des Theaters ist: Wir haben zwischen uns ganz andere Freundschaften entwickelt. Wenn wir uns am Wochenende treffen zum Proben, dann ist das ganz anders als mit anderen Freunden. Du lernst die Leute aus der Theatergruppe auf einer ganz anderen Ebene kennen.

SchülerIn 3: Also dieser Gruppenzusammenhalt, der über die zwei Jahre entstanden ist, war total schön. Auch diese Veränderung an sich selbst, die Gedanken, die man sich macht und auch, wie man sein Spiel über die Jahre, auch wenn es das selbe Stück ist, einfach verändert und auf der Bühne auch sicherer wird, finde ich so besonders. Am Anfang war diese Art Theater ganz neu für mich und jetzt ist man da so drinnen und freut sich unglaublich, nur weil man die Bühne in der Mitte sieht und sich denkt: “Ja, wir können spielen! Mit der ganzen Gruppe!”

SchülerIn 4: Ein ganz zentraler Aspekt für mich ist auch noch die Freiheit, die einem Theater gibt. Klar, man hat seine Rolle und man hat viel einzuhalten, aber trotzdem ist es der eigene Raum, wenn man so auf der Bühne steht, beziehungsweise der Raum unserer Gruppe. Wir machen da unser Ding und uns schränkt niemand ein. Das ist eine Freiheit, die man sonst nicht so bekommt.

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