Geteilte RaumZeit

Foto: Pixabay

Zu den wichtigsten Akteuren des diesjährigen Festivals zählt LanZe – das Landeszentrum Spiel & Theater Sachsen-Anhalt e.V. aus Halle. Wer hinter LanZe steckt und was zum Aufgabenbereich der LanZe-Mitarbeiter gehört, erfahrt ihr in diesem Interview. Die Organisation des größten Schultheater-Festivals in Europa birgt einiges an Arbeit und Herausforderungen und erfordert viele helfende Hände. Für den Landesverband gibt es jedoch Gründe, die Vorbereitungen gerne zu stemmen.

Wer seid ihr und welche Rolle habt ihr beim SCHULTHEATER DER LÄNDER?

Die Organisation der künstlerischen Elemente des Festivals SDL 2019 und seiner Gesamtdramaturgie liegen bereits seit 2017 (auch) in den Händen von LanZe. Das Landeszentrum Spiel & Theater Sachsen-Anhalt e.V. ist der Landesverband der freien darstellenden Künste, des Amateurtheaters, der freien Theaterpädagogik und des Schultheaters – und daher vom Land Sachsen-Anhalt mit der Planung, Organisation und Umsetzung beauftragt worden. Die Geschäftsstelle betreibt maßgeblich Interessenvertretung, arbeitet auf kultur- und bildungspolitischer Ebene, berät das Land und seine Akteure und setzt Projekte um, die die Akteure im Bundesland stärken, sichtbar werden lassen, begleiten und beraten.

Eine Umsetzende gibt es bei LanZe nicht – schon allein deswegen nicht, weil die Geschäftsstelle mit ihren 3,5 Stellen sehr kooperativ arbeitet und Themenkomplexe oft gemeinsam betrachtet werden. Christiane Böhm, Maria Gebhardt und Isabella Kammerer – das ist – neben dem Kooperationspartner LISA – das aktuelle Team der Verantwortlichen. Dazu gehören vor allem noch Dagmar Lippold, Benthe Betz und Maro Schüller als Mitarbeitende aus anderen Arbeitsfeldern (Buchhaltung, Assistenz und FSJ).

Kopf und Herz des Teams ist Isabella Kammerer, die als Projektleitung das Festival seit April 2019 unterstützt. Zuvor investierte Melanie Brinken als Verantwortliche viel Schweiß, Mühe und Zeit in die grundständige Konkretisierung und Vorbereitung des Konzepts. Isabella studierte Kulturwissenschaften und ästhetische Praxis, ist seit Jahren in der Produktion und Leitung von künstlerischen Projekten oder kulturellen Orten erfahren und hat selbst viel praktische Erfahrung mit der Kunstsprache der darstellenden Künste.

Bild: LanZe

Worin bestehen die Herausforderungen der Organisation eines Bundesfestivals?

Die Umsetzung mit vielen verschiedenen Kooperationspartnern ist immer eine Herausforderung, egal für welches Projekt – noch besonderer wird sie, wenn die Partner aus verschiedenen Disziplinen kommen und diese so das Projekt einerseits bereichern, durch den multiperspektivischen Blick, und andererseits verkomplizieren durch das verschiedene Vokabular und die nicht immer kongruenten Prioritäten der unterschiedlichen Berufsfelder. Dieses Spannungsfeld produktiv zu nutzen, ist eine Challenge, die sich aber immer wieder lohnt. Alle Beteiligten können neben der zu meisternden Aufgabe der Umsetzung viel lernen, was über das eigene Arbeitsfeld hinausreicht – zum kooperativen Lernen, zum Übersetzen der eigenen Tätigkeit und damit oft auch zur Schärfung der eigenen Begriffe und Ziele, weil man genau diese oft erklären muss und dadurch auf Widersprüche stößt, die beim Wirken im eigenen Feld oft als Selbstverständlichkeiten nicht mehr diskutiert werden.

Außerdem ist die Konkretisierung eines Bundeskonzepts immer eine besondere Herausforderung: Der möglichst grobe und zugleich klare Rahmen muss nicht nur vor Ort funktionieren. Will das Festival einen Nachhall hinterlassen, so ist eine Individualisierung unerlässlich, damit im Rückblick genau dieses Jahr mit genau diesem Bundesland untrennbar in Erinnerung bleibt. Deshalb sind die Partner und Akteure vielgestaltig, lokal wie überregional, mitunter Ansprechpartner für mehrere Aspekte des Festivals.

Eine Auflistung der Partner findet ihr am Ende des Artikels.

Was macht den besonderen Reiz des SDL aus?

Das SCHULTHEATER DER LÄNDER hat das große Potenzial, sehr heterogene Gruppen miteinander in Kontakt zu bringen. Die Begegnung auf Augenhöhe, das Sprechen über die künstlerischen Prozesse, ihre Ergebnisse, aber vor allem auch über die individuellen Such- und Findungsprozesse. Das Theater als darstellende Kunst produziert immer ein ganzheitlich wahrzunehmendes Ereignis. Die für diesen Moment gefundene individuelle Ästhetik, also eine Sprache, muss vom Publikum ja zuerst nachvollzogen werden, um anschließend über die transportierten Ideen und Fragestellungen sprechen zu können. Dafür bedarf es eines vertrauensvollen, anregenden, den Blick für die Suchbewegung öffnenden Settings. Dazu gehört nicht nur die Frage der gelingenden technischen und organisatorischen Umsetzung, auch Aspekte von Ansprache, Einbezug aller, Gestaltung von Räumen, das Essen, die Atmosphäre, Informationspolitik oder Präsenz der Verantwortlichen sind wesentlich.

Wir haben alle Kulturwissenschaften in ihren verschiedenen Ausprägungen studiert – Maria und Isabella in Hildesheim als Wissenschaft über ästhetische Prozesse und Phänomene, Christiane in Magdeburg als angewandte Wissenschaft kultureller Prozesse und Projekte. Uns eint das Interesse an eben solcher Rahmengestaltung von Kunst und Kultur. Vor diesem Hintergrund beschäftigten wir uns beruflich mit der Frage, wie Abläufe, wie Projekte, auch wie Arbeit generell gestaltet sein muss, um Freiräume zu ermöglichen. Es ist für uns immer wieder magisch, dass durch das Suchen und Finden der wesentlichen, mitunter winzigen Stellschrauben viel Innovation, Austausch und Begegnung ermöglicht – oder aber verhindert – werden kann.

Natürlich hoffen wir, möglichst vieles richtig entschieden und vorbereitet zu haben, damit diese Freiräume auch tatsächlich entstehen. Darauf sind wir am meisten gespannt.

Anteasern würden wir das Festival als “geteilte RaumZeit”, in der die Chance zu Selbstvergewisserung und Reflexion besteht. Als Ereignis der vertrauensvollen Sprachfindung über das, was nicht in Worte gefasst werden kann. Über das, was sich manchmal intuitiv oder durch zufällige Bedingungen ergibt und als Moment, genau dies herauszufinden und reflektierbar zu machen. Denn das SDL ist maßgeblich ein Festival für diejenigen, die sich bereits länger mit darstellender Kunst im Rahmen von Schule befassen und Utopien für ihre Arbeit entwickeln wollen. Alle weiteren sollen und können sich gern davon anstecken lassen.

Die Kooperationspartner


  • Bundesweit: BVTS, Stiftung Mercator, VOELKL die Naturkostsafterei
  • Sachsen-Anhalt: Land Sachsen-Anhalt, LISA, Lotto Toto GmbH
  • Andere Bundesländer: Geheime Dramaturgische Gesellschaft, Kooperationsstudiengang „Kritik für Film und Theater“ LMU München, Künstler*innen verschiedener Sparten aus dem ganzen Bundesgebiet – jeweils ausgewählt aufgrund ihrer Expertise als Referent*innen für Workshops, Grafikbüro ART DES SEINS
  • Lokal/regional: Steintor Varieté, Martin-Luther-Universität Halle/Saale, Franckesche Stiftungen, Freie Spielstätte e.V., Jugendherberge Halle/Saale, B&B Halle/Saale, Hotel am Steintor, Volksbühne am Kaulenberg , Konzerthalle Ulrichskirche, Lernwerkstatt, Tanz & Sportstudio Studio Peri e.V., Die schillerBühne halle e. V., Grundschule "Neumarkt", Atelier Fiese8, spielmitte e.V. Werkstätten und Kultur Halle (Saale) e.V. (WUK), Künstlerhaus 188 und der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Mobile Druckwerkstatt 38Punkt - BuchDruckAtelier, Fairsicherungsbüro Mittelelbe Hr. Rostock, DRK, Kaltstart e.V. und spielmitte e.V., Künstler*innen verschiedener Sparten aus Sachsen-Anhalt – jeweils ausgewählt aufgrund ihrer Expertise als Referent*innen für Workshops
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