Kritik zu „Spielt!“

Foto: Christof Heinz

Im Online-Magazin Yung Cult geben Kulturjournalist*innen und Schüler*innen ihre Stimmen zu den Stücken des SDL 2019 ab. Die Eindrücke werden auf diesem Blog unter dem Tag „Yung Cult“ gesammelt und veröffentlicht.

Auftakt des Festivals ist „Spielt!“ aus Sachsen, eine mystische Coming-of-Age-Reise, ohne Worte, mit viel Bewegung.


Nur ein leerer Raum

Die Bühne? Eine leere Fläche, mit nichts außer den sechs Darstellerinnen auf ihr. Sie tragen enge Anzüge mit neonfarbenen Streifen um ihre Glieder und Gelenke, sie sind in Kampfkleidung steckende Alltagsringende in einer imaginären Arena. Denn für sie ist dieser Bühnenraum genau das. Eine Arena, in der sie Runde für Runde eine für die Zuschauer unsichtbare Wand, ihre eigene Wand, ihre eigene Barriere durchbrechen. So minimalistisch die Ausstattung, so großzügig die Spielfläche. Alles ist möglich in diesem Schaufenster des Spiels, es sind die Körper und ihre Bewegung, die es füllen, die gegenstandslos Gegenstände in die Köpfe ihrer Zuschauer projizieren.

Carolin Werthmann

Foto: Christof Heinz

Ich dachte, im Theater wird viel gesprochen

In diesem Stück wird nicht durch Sprache kommuniziert, sondern fast nur durch den Körper. So verwandeln sich in einer Szene die Akteurinnen in Bäume, wobei immer eine einzelne zum Leben erwacht und durch die anderen hindurch läuft, befreit von Schule, Prüfung, Lehrern. Sie interagieren. Erst im weiteren Verlauf sprechen sie miteinander, mit Worten, mit Geräuschen, mit einem Lied aus dem Film „Die Tribute von Panem“. Aufgeteilt in zwei Gruppen summen sie „Hanging Tree“, steigern sich dann zu einem chorischem Austausch, aus dem die einzelnen Stimmen wiederum hervortreten, wenn daraus ein Kanon wird. Und über dem Spiel hallt eine Stimme ohne sichtbare Quelle, wie eine Stadionsprecherin, die den Schauspielerinnen Handlungsanweisungen gibt.

Maro Schüller

Eroberung des Weltenraums

Die Einzige, die spricht, ist nicht anwesend. Eine Dea ex machina, die sich niemals zeigen wird. Eine Stimme aus dem Off, die hintereinander drei Aufgaben an die sechs Schauspielerinnen verkündet - nicht mehr als ein, zwei Sätze, klar und bestimmt.

Spielt!, so lautet der sanfte Befehl. Darauf Schlagworte: Lieblingsraum, Gedankenraum, Klangraum. Diese Räumen sollen sie erschaffen, nur das Zusammenspiel aus Körperbewegung, Mimik, Gestik Licht. Die Schauspielerinnen zeigen, dass Theater nicht immer endlose Textfläche sein muss, sondern eben archaisches Spiel, das beinahe stumm und wortlos über 35 Minuten eine Erzählung entwickelt. Die Coming-of-Age-Reise einer Gruppe Jugendlicher, die es kaum erwarten kann, aus Schule, aus Elternhäusern hinaus zu stürmen in die Welt, in den „Weltenraum“, so befiehlt es ihnen die Stimme, den es zu erobern gilt.

Anna Landefeld

Foto: Christof Heinz

Glühwürmchen statt Stroboskop

Ein fast schon behäbiges Spiel aus Licht und Dunkel. Mit wenigen, dafür sehr gezielt und symbolisch eingesetzten Farben. Wie in einer Arena richtet sich der Lichtkegel auf die Spielerinnen, alle sind isoliert voneinander. Sobald die Szene wechselt, wechselt auch das Licht. Die Bühne wird in gleißendes, weißes Licht getaucht, und die Hintergrundbeleuchtung ändert ihre Farbe, bleibt aber immer dezent. Kein Stroboskop-, kein Blinklicht. Letzte Szene und Highlight sind glühwürmchenartige Lichtpunkte, die sich wie ein Filter über die Schauspielerinnen legen. Erst durch das Licht entsteht die mystische und geheimnisvolle Wirkung des Stücks.

Oliver Schulze

„Spielt!“

Eigenproduktion der Oberschule Lößnitz

Theater AG Mienenspiel

Spielleitung: Claudia Schöniger, Beate Düber

Spieldauer: 35 Minuten

Schauspieler*innen: Helena K., Clara H., Samantha H., Anna K., Maria-Luise M., Charlotte S.

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