Die Qual des Wals - Interview mit Christian Holm

Foto: Nils Kleemann

Im Telefoninterview Christian Holm, Schauspieler, Regisseur und Theaterpädagoge. Er hat als Spielleiter das Stück, das Mecklenburg-Vorpommern beim Schultheater der Länder 2019 vertritt, erarbeitet.

Herzlichen Glückwunsch zur Auswahl für das Schultheater der Länder 2019 in Halle! „Moby Dick oder die Qual des Wals“ wird am 27. September 2019 um 13.30 Uhr im Steintor Varieté aufgeführt.

Das Festival-Thema ist „Raum.Bühne“. Welchen Raum nimmt Theater an der Montessori Schule ein?

Die Situation für Theater an dieser Schule muss ich als paradiesisch beschreiben. Dank der Unterstützung durch Rektor Nils Kleemann hat das Theaterprojekt einen großen Stellenwert und die Schüler*innen werden üblicherweise für die Produktion drei Wochen vom Unterricht befreit. Vor dieser Intensivprobenzeit, die direkt vor der Premiere liegt, ist Noten-Stop für die Spieler*innen. Damit stehen sie für die Proben uneingeschränkt zur Verfügung.

Du bist Schauspieler und Regisseur. Wie lange kooperiert die Schule schon mit dir?

Ich arbeite seit sieben Jahren in Greifswalder Schulen. An der Montessori Schule ist es immer die 9. Klasse, mit der ich arbeite. In der Schule empfinde ich das aufgrund der Beschränkung auf einen Jahrgang allerdings als so eine Art Theater-Ufo: Es landet und ist dann auch wieder weg. Die Schule ist aber momentan dabei, meinen Einsatz auszuweiten. Es soll bald weitere Theaterangebote von mir in anderen Jahrgängen geben.

SDL-Spielleiter Christian Holm für Mecklenburg-Vorpommern, Foto: Christian Holm

Foto: Christian Holm

Euer Stück lebt viel vom Wortwitz. Welche Arbeitsprozesse haben euch zum Stücktext geführt?

Den Text schreibe tatsächlich ich. In den Monaten der Erarbeitung, wenn ich die Gruppe kennenlerne, lasse ich sie improvisieren und beobachte die ganze Zeit. Dabei bin ich immer am Mitdenken: Was passt wie zu wem? Ich versuche die Schüler*innen so genau wie möglich anzugucken und wenn ich das Stück schreibe, habe ich diese Überlegungen und Beobachtungen im Kopf. Wichtig ist mir auch, dass alle im Verlauf des Stücks einmal im Mittelpunkt stehen. Darüber hinaus hole ich Texte über Fragebögen ein. Diese baue ich z.B. als Chortexte ein. Oder ich gebe Schreibaufträge. Einer dieser Aufträge für diese Produktion lautete: Schreibe an eine Person deiner Wahl einen Abschiedsbrief.

Wichtig ist auch, dass für den im Umgang mit meinem Text immer gilt: Umformulieren erlaubt!

Wer zeichnet verantwortlich für die Musikauswahl? Wie hatten die Kids Einfluss auf Licht- und Klanggestaltung?

Die Musik bringe ich mit. Zum Beispiel haben die Jugendlichen einen Tanz entwickelt, für den ich ihnen eine CD mit 25 Titeln zusammengestellt habe. Sie haben probiert, was am besten passt und dann ausgewählt. Schließlich hatten sie sich für einen Titel von Tom Waits entschieden.

Der Plot eures Stücks entspricht auf angenehme Weise nicht der Originalgeschichte. Wie kam es zu euren Änderungen?

Ich war beim Wiederlesen des Buchs selbst überrascht: der tote Ahab gefesselt am Wal, ein schwimmender Sarg, alle sterben! Während ich den Schüler*innen den Plot von Moby Dick erzählt habe, konnte ich an ihren Gesichtern sehen, wie düster und grausam sie die Geschichte finden. Für die Gruppe war also schnell klar: Niemand sollte zu Tode kommen. Die Frage war dann, wie wir das anders erzählen können. Für mich ist wichtig, dass die Spielenden sich zuhause fühlen. Sie müssen einverstanden sein.

Was ist das Besondere für dich an eurem Stück?

Wir erzählen eine Abenteuergeschichte, schweifen aus und ab, bringen andere Themen rein und es ist viel von den Schüler*innen darin. Vor einiger Zeit ist ein kleiner Wal bei uns in der Nähe gestrandet und sein Magen war voll mit Plastik. Das war dann auch ein Thema, das im Stück gelandet ist.

Trotzdem ist unser Stück „Moby Dick oder die Qual des Wals“ lustig und spannend zugleich.

Das kann ich bestätigen! Vielen Dank für das Gespräch.

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