Raum.Bühne - Eine Reflexion

Von David Heinz

Das SDL 2019 ist zu Ende, eine Woche voller Theaterfreude liegt hinter uns! Viel wurde im Vorfeld über das diesjährige Thema „Raum.Bühne“ gesprochen und gemeinsam in den Spielgruppen während der Stückentwicklung verhandelt. Anlass zur Diskussion gab es aber selbstverständlich auch während der Woche. Da gab es, bei den SchülerInnen wie auch im Fachpublikum, die unterschiedlichsten Einschätzungen und Vorlieben. Eindrücklich sichtbar wurde das anhand der Umfrage auf einer Sitztoilette im Basislager. Die einen fanden das Thema zu beliebig die anderen waren große Fans, wiederum andere wünschten sich Schaum und viel Nebel, na bitte. Im Folgenden möchte ich mich anhand dreier Stücke auf eine kurze Raumdeutungsmission begeben und untersuchen, wie diese drei Spielgruppen sich auf ganz unterschiedliche Art und Weise dem Thema näherten.

Der Bau - Berlin

Berlin auf dem Theaterfestival SDL 2019 in Halle (Saale)

Foto: Christof Heinz

Große Trennwände ausgestopft über und über mit Zeitungspapier markieren den Bau, durch dessen Eingeweide uns die wieseligen Kreaturen eine Stunde führen werden. Die in grau gekleideten Spielenden verschwimmen fast aufgrund ihres Aussehens mit dem Bühnenraum. Das Schauspiel gleicht einer Mimese, Verstecken spielen in der Natur. Doch wenn Tiere Verstecken spielen, dann geht es um Leben und Tod. Genau wie in der Bau, jedes Rascheln versetzt die Gruppe in blanke Panik. Das Bühnenbild ist bedrohlicher Gegenspieler, visuell und auditiv zugleich.

CUT - Bremen

Bremen auf dem Theaterfestival SDL 2019 in Halle (Saale)

Die Spielgruppe aus Bremen öffnet in ihrer Inszenierung ganz andere Räume. Die Bühne, ein Weg, auf dem sie balancieren, tanzen, stürzen und sich in die Arme fallen. Das Leben findet hier auf der Bühne statt, Stück für Stück entstehen Lebenszeiträume durch die das Publikum das Ensemble begleitet.

Kasimir und Karoline - Bayern

Bayern auf dem Theaterfestival SDL 2019 in Halle (Saale)

Foto: Christof Heinz

Das Stück im Original von Ödön von Horváth spielt auf dem größten und bekanntesten Volksfest der Welt, dem Münchner Oktoberfest. Was stellt ihr euch da als allererstes vor? Freilich Festzelte, Buden, Achterbahnen und das in Strömen fließende Bier. Als die Vorstellung beginnt, stehen da aber nur einige rote Stühle und zwei Treppchen auf der Bühne. Das Publikum sitzt drum herum. Daran ändert sich auch im Verlauf des Stückes nichts, einzig die Stühle werden verstellt. Und dennoch sind wir mitten drin im Beziehungsgeflecht des ungleichen Paares, das zwischen den schreienden Händlern und den wilden Fahrgeschäften sich zunehmend entzweit.

Durch das Verstellen der Stühle auf der Arenabühne entstehen immer neue Sichtachsen, die Blicke auf das Geschehen freilegen, sie gleich darauf aber auch wieder verwehren. Das Bühnengleichgewicht schwankt und wird wieder hergestellt. Der Bühnenraum wird zum (Beziehungs-)karussell! Wieder zu Hause nach einer Woche in der die Räume des Theaters uns gefangen nahmen, sind wir wieder entlassen in unsere privaten Räume und doch noch nicht frei von den beeindruckenden Erlebnissen der Bühnenraume, die das SDL 2019 in Halle für uns geöffnet hat!

Soundtrack des Lebens

Mario Arcaini

01.Okt. 2019

Alles hat ein Ende?

Mario Arcaini

07.Okt. 2019