Schultheater und „Fridays for Future“

„Fridays for Future"-Schulstreiks finden mittlerweile weltweit statt,  Urheber: pixabay.de
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Marie Goss

Was das Schultheater der Länder mit den „Fridays for Future“-Protesten zu tun hat

Schüler erheben ihre Stimme und wollen etwas verändern. Sie schwänzen die Schule und gehen stattdessen demonstrieren. Für die Umwelt. Für die Natur. Für ihre Zukunft. Was das alles mit (Schul-)Theater zu tun hat? Dieser Artikel klärt euch auf!

„Ich habe gelernt, dass man nie zu klein ist, einen Unterschied zu machen“

Das sind Worte der „Fridays for Future“-Gründerin, Greta Thunberg. Was sie alleine 2018 vor dem Stockholmer Reichstag mit einem einzigen kleinen Schild begann, ist heute eine weltweite Schülerbewegung. Jugendliche streiken gegen den Klimawandel und wollen Politiker auf ihre Zukunftsvergessenheit aufmerksam machen. Die Proteste stoßen allerorts auf große Kritik, da die Schüler ja offensichtlich die Schule schwänzen. Doch welchen Sinn hat es, in der Schule für eine Zukunft zu lernen, die es schon bald nicht mehr geben könnte? Dieses Argument hält Greta Thunberg Kritikern entgegen. Die Klimaschutzaktionen haben für sie und ihre Anhänger höchste Priorität.

Die globalen Streiks zeigen, wie junge Leute sich weltweit zusammenschließen und koordinieren können, um für ein gemeinsames Ziel ihre Stimme zu erheben

„Fridays for Future"-Schulstreiks finden mittlerweile weltweit statt,

„Fridays for Future“-Schulstreiks finden mittlerweile weltweit statt, Urheber: pixabay.de

Flagge zeigen beim Schultheater der Länder

Auch das SdL-Festival beschäftigte sich 2018 unter dem Motto „Theater und Politik - Flagge zeigen!“ mit den politischen Meinungen von Jugendlichen. Dem Trend, dass Heranwachsende sich wieder mehr für gesamtgesellschaftliche Belange interessieren, wollte das Schultheater Raum geben. Es bot Schülern ein Forum, um ihre politischen Ansichten darzustellen und auszudrücken. Denn Theater eignet sich hierfür auf ganz besondere Weise: Politisches wird nicht nur als Inhalt auf die Bühne gebracht, sondern kann durch verschiedene Formen der darstellenden Kunst ergänzt und untermauert werden.

Die „unerhörte“ Stimme von Kindern und Jugendlichen

Bei der Schauspielgruppe „gee whiz!“, was übersetzt so viel wie „Menschenskind“ bedeutet, war der Name Programm. Die Inszenierung „unerhört” diskutierte die Frage, welche Voraussetzungen gegeben sein müssen, damit Heranwachsende eine grundsätzliche Bereitschaft zur Übernahme von Verantwortung entwickeln - ein Muss für Mitbestimmung, politische Teilhabe und Demokratie. Der Einfluss von schulischer und elterlicher Erziehung wurde thematisiert, indem Spielzeugpuppen die Hürden in der Entwicklung einer eigenen Stimme aufzeigten.

„unerhört" und „Fridays for Future" befassen sich mit den gleichen Themen

Die Spielzeugpuppen von unerhört, Foto: gee whiz!

Die Jugendtheatergruppe aus Eiserfeld begeisterte mit ihrer Eigenproduktion das Publikum. Nicht nur in Kiel beim „Schultheater der Länder“ war die künstlerische Darstellung des Themas ein voller Erfolg. In der darauffolgenden Zeit nahm „gee whiz!“ unter anderem an den renommierten „Theatertagen am See“ in Friedrichshafen teil und trat auf vielen Festivals auf.

Sicher würde das Stück auch bei Greta Thunberg auf positive Resonanz stoßen.

Theater als Sprachrohr für junge Menschen

Die Stimmen der Schauspieler*innen von „unerhört“ wurden definitiv erhört. Ihre Teilnahme am überregionalen Festival SdL ermöglichte es ihnen, ihre Meinung in die Öffentlichkeit zu tragen. Bei den „Fridays for Future“-Demonstrationen setzen Jugendliche die Aufforderung der Gruppe „gee whiz!“ um, für ihre Zukunft die Stimme erheben.
Auch wenn das Theaterstück nicht der Anlass für die Proteste war, so macht es doch eines deutlich: Theater bietet den Standpunkten der Schüler eine Bühne.
Themen können hier fachlich und gleichzeitig künstlerisch ansprechend aufgearbeitet und einem breiten Publikum nähergebracht werden.

„Theater bedeutet für mich Themen, Informationen, Emotionen und Geschichte durch Kunst zu vermitteln und für alle Menschen zugänglich zu machen, denn es gibt so viel mehr als nur Kinoleinwände. Der direkte Kontakt zwischen Publikum und Darstellenden erfüllt die Bühne mit einer Form von Begeisterung, die woanders in dieser Form nicht erlebt werden kann. Theater ist so viel mehr als nur Bühnenstücke öffentlich zu machen, denn es entstehen Entwicklungen von Darstellenden und Charakteren, ein miteinander Leben, das Sammeln von Erfahrungen und Leidenschaft. Theater bestärkt, erfüllt und heilt die Seele in einer Weise, in der man in die Imagination flüchten kann, um die Realität für einige Augenblicke zu vergessen." (Karo, 20, von „gee whiz!”)

Theater bedeutet mir sehr viel. Ich lerne in den Proben nicht nur, mich in die Lage anderer Personen zu versetzen, sondern auch, was so in der Welt passiert, und meine Gefühle durchs Theater ausdrücken. Ich kann meine Meinung gut in Form von Theater sagen. Kritik an die Gesellschaft kann ich mithilfe eines Theaterstückes äußern. Gerade durch unser letztes Stück “unerhört” habe ich viel dazugelernt und gemerkt." (Hannah, 14, von gee whiz!”)

gee whiz! führen ihr Stück auf

unerhört!, Foto: gee whiz!

Schultheater muss sein

Das Theater ist ein machtvolles Bildungsmittel. Gesellschaftlich relevante Inhalte werden hier verarbeitet und verbreitet.
Das Theaterspiel fordert und fördert aber auch alle wesentlichen sozialen und kulturellen Fähigkeiten und Fertigkeiten, weil sie für das Gelingen des Spiels wirklich gebraucht werden: Aufmerksamkeit, Wahrnehmung, Gedächtnis, sprachlicher und körperlicher Ausdruck, Präsenz im Auftritt, Verlässlichkeit, Pünktlichkeit, Fantasie, Emotion, kulturelles Wissen, soziale Erfahrung, geistige und körperliche Beweglichkeit. Es bildet also wesentliche Voraussetzungen für den beruflichen und außerberuflichen Alltag aus.

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