SDL-Coaching: Arbeiten mit Theater-Profis

Mit SDL-Coach Andrea Fischer inszenierten Schüler*innen ihre Eigenproduktion “Leere.Voller Raum”, Foto: Andrea Fischer

In diesen Wochen wird an vielen deutschen Schulen geprobt und gebangt: Bis Ende April 2019 konnten Schüler-Ensembles aus ganz Deutschland sich für das Schultheaterfestival der Länder, kurz SDL, bewerben. Das SDL ist der größte Schultheater-Wettbewerb Europas.
Nun entscheiden die Jurys in den Bundesländern darüber, wer sein Können vom 22. bis zum 28. September auf der Bühne in Halle an der Saale präsentieren darf, wenn die Schüler*innen sich im Wettbewerb der Bundesländer messen.

Coaching-Programm seit 2017

Seit 2017 bietet der Bundesverband Theater in Schulen (BVTS) ein SDL-Coaching an und eröffnet damit Lehrer*innen und Schüler*innen die einzigartige Möglichkeit, sich schon während der Bewerbung für die Teilnahme am Wettbewerb professionell unterstützen zu lassen. Dadurch werden die Qualität der Theaterarbeit an den Schulen und damit auch der Länderbeiträge zum SDL weiter gesteigert.
Dieses Jahr haben 25 Coaches Schüler-Ensembles aus 15 Bundesländern bei der SDL-Bewerbung begleitet.

Über das SDL-Coaching sprachen wir mit Andrea Fischer, Theaterpädagogin, Geschäftsführerin Landesverband Schultheater in Hessen und SDL-Coach.

Interview mit einem SDL-Coach

Coaching

SDL-Coach Andrea Fischer, Foto: Olaf Mönch

Frau Fischer, wie viele Bewerbungen haben Sie dieses Jahr für das SDL-Coaching in Hessen gesichtet?

Es gab insgesamt drei Bewerbungen. Idealerweise aus drei Regionen Hessens, so dass alle drei hessischen Coaches je ein Coaching übernehmen konnten.

Wie erhält ein Ensemble einen Coach?

Theatergruppen, die sich für das Coaching interessieren, fertigen eine Konzeptbewerbung an und reichen sie beim jeweiligen Landesverband oder beim BVTS ein. Die Bewerbung besteht aus der Formulierung einer Idee für eine Inszenierung, der Beschreibung der Spielgruppe und erster szenischer Erarbeitungen. Dabei sollte das Thema des jeweiligen SDL-Festivals berücksichtigt sein. Außerdem achten wir darauf, dass die Ideen hauptsächlich aus der Spielgruppe kommen. Das Formular fragt diese Aspekte auch ab.

Als das SDL-Coaching 2017 begann, waren Sie als einer der ersten Coaches mit dabei. Woher wussten Sie, was zu tun ist? Gab es ein Coaching für den Coach?

Wer als SDL-Coach arbeiten möchte, muss eine SDL-Coaching-Fortbildung besucht haben und mindestens einmal als Fachtagungsteilnehmer*in am SDL teilgenommen haben. Das Festival und seine Struktur zu kennen ist wichtig, weil das auch die Informationen sind, die die Bewerbergruppen gerne abfragen. So können sie sich besser vorstellen, was sie beim Festival erwartet.

Wer kann sich zum Coach weiterbilden lassen?

Nicht alle Coaches sind Theaterpädagog*innen. Es sind auch Schauspieler*innen und Dramaturg*innen dabei. Auf jeden Fall sollte ein zukünftiger Coach schon Erfahrungen in der Kinder- und Jugendtheaterarbeit an Schulen, in Spielclubs oder theaterpädagogischen Abteilungen professioneller Häuser gesammelt haben.

Wie viele Coaches gibt es in den Bundesländern?

Pro Bundesland gibt es drei Coaches, also 48 insgesamt.

Wie läuft das Coaching ab?

Das Coaching ist in drei Blöcke aufgeteilt: Am Anfang geht es zunächst noch um die Konzeptentwicklung. Wenn das Konzept klar ist, folgt die Detailarbeit am Stück, und am Ende des Coachings steht das sogenannte Finishing im Vordergrund. Wie wir mit den Gruppen arbeiten und vor allem wie viel, bleibt uns jeweils selbst überlassen. Die Coaches sollen grundlegende Kompetenzen der Theaterarbeit vermitteln, sie sind keine Spezialisten für das jeweils aktuelle SDL-Thema. Sie können aber helfen, Fachleute zu vermitteln, wenn Spezialisten für die Produktion benötigt werden, z.B. für Pantomime, für Tanz, für chorisches Sprechen etc.

Wie haben Sie als Coach mit Ihrem Enseble geprobt?

Ich habe für ein erstes Kennenlernen die Gruppe bei einer regulären Probe besucht. Danach hatte ich insgesamt drei Termine mit dem ganze Team, an denen wir gemeinsam bis zu sieben Stunden gearbeitet haben. Die Termine waren über fünf Monate verteilt, so dass ich den Prozess tatsächlich immer wieder in einem erweiterten Stadium erleben durfte. Beim letzten Treffen haben wir in unserer Schule im Theaterraum das Video für die Bewerbung aufgenommen. Zwischen den Gruppentreffen hatte ich Kontakt mit der Spielleiterin – als Beratung z.B. für Dramaturgie und Textauswahl.

Worin liegt für Sie der größte Reiz beim Coaching?

Die Tatsache, der Gruppe und ihrer Spielleitung Mut zu machen, sich zu trauen und Freude an der Theaterarbeit zu haben.

Was haben Sie selbst aus Ihren Coaching-Erfahrungen mitgenommen?

Die unterschiedlichen Herangehensweisen an Theater zu erleben. Diese Vielfalt freut mich ganz besonders. Hier gibt es nicht “richtig oder falsch”, nur “so oder eben anders”… .

Was wünschen Sie sich für das SDL 2019?

Mehr Mut der Bundesjury ungewöhnliche und experimentelle Stücke auszuwählen; ausgetretene und vermeintlich verlässliche Pfade verlassen. Außerdem wünsche ich mir mehr jüngere Spielgruppen.

Vielen Dank für das Gespräch.

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