Vom Mikrofestival zum Schultheater der Länder

Theatertage aesthetX der Albert-Einstein-Schule,  Urheber: Andrea Fischer
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Andrea Fischer

Schulinterne Theatertage

Auf dem Schulhof steht ein Kreis von schwarz gekleideten Kindern. Weiter hinten bilden Jugendliche ganz in Weiß und barfuß einen Pulk, um einen Chortext zu sprechen. Währenddessen schallt aus der anderen Ecke eine Stimmübung über das Gelände. Sie alle wärmen sich auf. Bald geht es los. Die ersten Zuschauer*innen treffen sich im Foyer des Theaterraums und werden dort vom Catering des Abiturjahrgangs empfangen. Die Bühnentechnik AG macht den Soundcheck. Körper, Stimmen, Spannung – wer nun über das Schulgelände der Albert-Einstein-Schule Groß-Bieberau läuft, weiß: Da ist gleich ganz viel Theater.

An vielen Schulen Deutschlands gibt es Theater-Angebote: Ob als Unterrichtsfach Darstellendes Spiel/Theater oder im AG-Bereich. Und die Zahl wächst, weil Kulturelle Bildung bei den gesellschaftsrelevanten Aspekten wie z.B. Integration, Partizipation, Inklusion eine große Rolle spielt. Dass sie gerade im Theaterunterricht ihre politisch-bildende Wirkung in der Schule entfaltet, ist mittlerweile auch bei den Schulentwicklern angekommen. Theaterunterricht erhält deshalb zunehmend einen stabileren Standpunkt neben den etablierten musischen Fächern. Zudem werden immer häufiger freie Theaterpädagog*innen als Verstärkung des Fachbereichs in die Schulen geholt.

Mit dem wachsenden Angebot nimmt auch die Anzahl der Gruppen zu, die an einer Schule Theaterstücke erarbeiten und präsentieren. Es entstehen umfassende Spielabende, an denen die Schultheatergruppen ihre Stücke zeigen.

Diese Spielabende oder sogar schulinternen Theatertage sind eine Plattform, um Theaterarbeit zu präsentieren: Von der Skizze bis hin zum aufwändig gestalteten Bühnenstück erreicht Theater Öffentlichkeit. Was bisher im Theaterraum entstanden ist, wird nun für alle sichtbar. Das Zeigen ist wichtig, das Gesehenwerden ebenfalls – der Austausch zwischen den Theaterschaffenden an einer Schule bekommt einen Raum.

Die Albert-Einstein-Schule in Groß-Bieberau (Südhessen) veranstaltet seit 15 Jahren die schulinternen Theatertage aesthetX, die weit über die Grenzen der Region hinaus bekannt sind. Da Theater an der AES großgeschrieben wird, spielen jährlich alle Theatergruppen der Kooperativen Gesamtschule im hauseigenen, theatertechnisch hervorragend ausgestatteten Theaterraum über drei Wochenenden verteilt ihr Stück dreimal. In manchen Jahren sind es bis zu zehn Gruppen. Mit jedem Auftritt werden die jungen Menschen auf der Bühne selbstsicherer und das Stück wird erfahrbar lebendiger. Bei der Gestaltung des Spielplans achtet das Festivalteam darauf, dass die jüngeren Spieler*innen mit den älteren zusammen auftreten. Das fördert die Gemeinschaft in der Schule und wirkt inklusiv. Die AES hat deutlich eine „Theater-Familie“, die auch über den Theaterraum und die eigene Gruppe hinaus wirkt.

Johanna (18), Abiturientin: “Die aesthetX sind wirklich klasse und ich bin froh, dass ich sieben Jahre lang an dieser besonderen Veranstaltung mitwirken durfte. Sie bereichert unser Schule ungemein. Ich kann sagen, dass ich durch die Auftritte selbstbewusster geworden bin.”

Wer im Kreis der Schule bereits Anerkennung für die Theaterarbeit erfährt, kann sich gestärkt fühlen noch einen Schritt weiter hinauszugehen. Die Energie, die auf der Bühne beim Spiel freigesetzt wird, hat eine große Wirkkraft – sowohl für die Akteur*innen als auch für das Publikum. Starke, klar agierende Kinder und Jugendliche sind ein gutes Argument für Kultur als Bildungsziel.

Also: Raus damit!

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